Ballaststoffe sind zunächst einmal genau das, was der Name sagt: Ballast. Die Regenjacke und der Wollpulli, den man in den Strandurlaub mitgenommen hat. Schweres Zeug, das man mitschleppt, aber eigentlich nicht gebrauchen kann.

Im Sinne der Ernährung heißt das: Dies sind keine Nährstoffe, also kein einfacher Zucker, Eiweiß oder Fett, kein Mineralstoff und kein Vitamin, nichts, was der Körper zur Deckung seines Energiebedarfs oder zum Aufbau von Geweben gebrauchen könnte. Dementsprechend werden diese Stoffe auch im Darm nach der Nahrungsaufnahme gar nicht erst resorbiert. Es fehlt das nötige Enzym.
Zwar sind viele von ihnen biochemisch gesehen Kohlenhydrate, doch meist sind diese so komplex, dass eine aktive Aufnahme über Transportsysteme über die Darmwand einfach nicht vorgesehen ist - sie wäre viel zu aufwendig für den Körper und der Abbau dieser meist sehr komplexen Zucker- oder Eiweißstrukturen würde viel mehr Energie benötigen als sie dem Körper am Ende einbrächte. Ballaststoffe sind also zwar Zeug, dass man mit sich herumschleppt, allerdings nicht auf der Hüfte, sondern lediglich im Darm. Und das auch nur für kurze Zeit, denn nach ein bis zwei Tagen wird solcherlei Gepäck ja bekanntermaßen wieder ausgeschieden.

Und nun ist es an der Zeit, das bisher so negativ dargestellte Profil der Ballaststoffe kräftig aufzupolieren:
Ballaststoffe sind nämlich, anders als der Name es vermuten lässt, trotzdem nützlich und ein wichtiger Bestandteil unserer täglichen Ernährung!


Sie finden sich vor allem in pflanzlichen Nahrungsmitteln, in Obst und Gemüse, Getreide, Nüssen und Hülsenfrüchten und erfüllen in diesen Pflanzen meist die Rolle von Strukturgebern, Baugerüst für Pflanzenzellen, wie etwa die Cellulose, eines der bekanntesten Vertreter ihrer Art. Somit sind sie ein wesentlicher Beleg für die Unterschiedlichkeit von Pflanze und Tier. Aber was sollen wir mit ihnen?

Ballaststoffe im Magen vergrößern allein durch ihr Vorhandensein das Nahrungsvolumen, ohne dabei den Energiegehalt unnötig zu steigern. Viele von ihnen binden Wasser und quillen dadurch auf. Dies dehnt zunächst die Magenwand und führt zu einem schnelleren Sättigungsgefühl. Da sie so schwer verdaulich sind, verlängern sie die Aufenthaltsdauer des Speisebreis im Magen, was erstens das Sättigungsgefühl länger anhalten lässt und zweitens der Verdauung anderer wichtiger Nahrungsbestandteile dienlich ist. Im Darm hingegen können sie durch ihre Wasserbindung die Passage beschleunigen, den Stuhl fest aber beweglich halten, die Ausscheidung des Enddarms unterstützen. Man darf sich das so vorstellen: Ballaststoffe putzen im Darm einmal richtig durch.

Erwiesen ist mittlerweile in vielen Studien der positive Effekt dieser Nahrungsbestandteile auf das Verhindern vieler sogenannter Zivlisationskrankheiten des Darms wie Divertikulose oder Dickdarmkrebs, die nur dadurch zustande kommen, dass zu viele Menschen nur noch labbriges Toastbrot essen und davon Verstopfung bekommen, was die Darmwand belastet und zu einer längeren Verweildauer von krebsauslösenden Giftstoffen an der Darmwand führt. Des Weiteren führen sie auch zur Realisierung einer ausgeglichenen Vollwerternährung und schützen dadurch vor Diabetes und Arteriosklerose der Herzkranzgefäße.

Wer schneller satt wird, kann sich eben nicht so leicht überernähren. Auf ausreichende Wasserzufuhr sollte dabei aber geachtet werden.